Beste Alternative. Was ist deine beste Alternative zum Konflikt?

Shownotes

Hallo und herzlich willkommen zu unserer kleinen Nachtwanderung hier bei Walk & Talk mit Ida. Ja, es ist ein bisschen später geworden und deshalb habe ich dich hier am Abend mitgenommen. Es ist schon ganz dunkel. Da hinten hört man noch die Straße, ich bin also noch nicht ganz tief im Wald, aber ich weiß auch nicht, ob ich jetzt in der Dunkelheit bis ganz tief in den Wald gehen möchte. Ich habe auch keine Lampe dabei. Es ist wirklich eine Nachtwanderung hier.

Welches Thema habe ich dir heute mitgebracht? Das Thema heißt die beste Alternative. Und dieses Thema habe ich aus dem Buch von William Ury. Über das habe ich dir ja gestern schon erzählt. Das ist das Buch, was mich so unglaublich geflasht hat, zumindest eine Aussage von ihm hat mich so unglaublich geflasht. Da bin ich auch noch nicht ganz fertig mit drüber nachdenken. Das dauert noch ein bisschen, bis ich dir davon erzähle.

Aber eine andere Stelle finde ich, hat er sehr, sehr gut erklärt. Das ist ein Konzept, das gibt es in vielen Büchern über Mediation oder Verhandlung und er hat es sehr, sehr schön auf den Punkt gebracht. Und das ist ein Konzept, das nicht nur für Menschen interessant ist, die sich beruflich mit Mediation oder Verhandlung beschäftigen, so wie ich das mache, sondern meiner Meinung nach auch für alle anderen Leute. Schau mal, ob ich dich damit inspirieren kann.

Das Konzept heißt beste Alternative, denn es geht darum, sich zu überlegen, was die beste Alternative für einen selber ist zu einem Konflikt oder zumindest zu einem potenziellen Konflikt. Es kommt ja tatsächlich im Leben häufig vor, dass man vielleicht noch nicht mal sich ganz streitet, aber dass man in Diskussionen kommt, dass man unterschiedliche Interessen hat, unterschiedliche Bedürfnisse. Das kann in einer Partnerschaft passieren, das kann auf der Arbeit passieren, das kann in jedem Projekt passieren. Und passiert das meiner Erfahrung nach auch relativ häufig. Das Entwicklerteam hat die eine Interesse oder Bedürfnis und das Management-Team hat eine andere. Ist ja auch erstmal total verständlich.

Aber muss man denn darüber streiten? Oder muss man überhaupt diskutieren? Muss es darum gehen, wer hier gewinnt? Häufig nicht.

Und ich möchte dir dieses Konzept der besten Alternative an einer ganz simplen kleinen Geschichte erklären. Eine Geschichte, die, glaube ich, jeder kennt. Nämlich zwei Geschwister haben ein Spielzeug. Sagen wir, eine Puppe. Und zufällig wollen die immer gerade beide mitspielen, wenn der eine mitspielt und eben der andere dann auch. Bestimmt, derjenige der Kinder hat oder sich an die eigene Jugend erinnert, dem ist das sehr wohl bekannt. Und sobald der eine was hat, will der andere es auch, obwohl es vorher drei Monate rumgelegen hat.

Das eine Kind hat jetzt die Idee, es will mit der Puppe spielen, aber es weiß schon ziemlich genau, dass wenn es jetzt mit der Puppe anfängt zu spielen, die Schwester auch mit der Puppe spielen will und dann müssen sie diskutieren. Oder vielleicht muss er vorher, weil sie beiden gehört, auch schon fragen. Und in dem Moment, das ist die Erfahrung, wenn sie fragt, kommt es meistens zum Streit.

Was ist jetzt die beste Alternative für dieses Kind? Nennen wir sie Lisa. Für Lisa ist es die beste Möglichkeit, stattdessen mit dem Teddy zu spielen. Der Teddy ist vielleicht nur ihr, ist sonst ihr Lieblingsspielzeug, aber darum gibt es auch keinen Streit. Das heißt, es gibt eine andere Alternative als die Puppe. Obwohl sie gerade sehr viel Lust auf diese Puppe hat, auf das Spielen mit der Puppe, die beste Alternative statt überhaupt in Diskussion zu gehen mit der Schwester ist mit dem Teddy zu spielen.

Kannst dir vorstellen, dass es das im Business-Leben auch häufig gibt. Auf der einen Seite etwas, wovon wir schon vorher wissen, dass es wahrscheinlich zu Diskussionen führt, oder zumindest vielleicht zu Diskussionen führt, früher schon mal zu Diskussionen geführt hat, vielleicht auch, weil man die Interessen des anderen Teams oder des Kollegen kennt. Und auf der anderen Seite eine beste Alternative, wenn man überhaupt nicht diesen Streit oder diese Diskussion provoziert.

Dann gibt es aber noch eine schlechteste Alternative, die passieren kann, wenn man diese Diskussion angeht. Und dann nehmen wir wieder Lisa und die Puppe. Was ist das Schlechteste, was passieren könnte, wenn Lisa doch denkt, ich gehe mal mit der Schwester darüber reden, wer jetzt mit der Puppe spielen darf, wer die heute hat? Schlechteste Möglichkeit ist, dass die Puppe kaputt geht. Und dann hat keiner was davon.

Lisa kann sich jetzt also überlegen, sie hat dadurch drei Möglichkeiten. Zwei Möglichkeiten, was sie machen kann: diskutieren oder nicht diskutieren. Und wenn sie sich für diskutieren entscheidet, dann weiß sie, was das Schlimmste ist, die schlimmste Alternative, die passieren kann, wenn sie diskutiert. Und das gibt ihr einen Rahmen.

Das heißt, sie kann sich entscheiden, mit dem Teddy zu spielen, der vielleicht nicht ihre erste Wahl ist heute, aber eine sichere Alternative und eine für sie beste Alternative zu der Diskussion mit der Schwester um die Puppe. Und wenn sie darüber nachdenkt, mit der Schwester über die Puppe zu diskutieren, dann weiß sie, was das Schlechteste ist, was ihr passieren kann. Innerhalb der Alternative der Diskussion ist das Schlechteste, dass die Puppe kaputt geht. Vielleicht können noch andere doofe Sachen passieren, dass was anderes kaputt geht oder dass die Mutter sauer wird oder was auch immer. Aber das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass die geliebte Puppe kaputt geht.

Und das gibt tatsächlich eine sehr, sehr gute Möglichkeit darüber nachzudenken, ob sie das riskieren will, dass die Puppe kaputt geht im Streit oder ob sie lieber mit dem Teddy spielt. Und das ist eine Sache, die sich sehr, sehr gut, denke ich, auch auf Familien, auf Privatsituationen, aber auch auf Geschäftssituationen anwenden lässt. Vielleicht nicht mit Teddy und Puppe, sondern mit ganz anderen besten Möglichkeiten, die vielleicht außerhalb des klassischen Tuns liegen, über was du jetzt gerade diskutieren willst. Aber statt zu diskutieren ist das die beste Möglichkeit.

Und das ist meine hoffentlich Inspiration an dich. Wenn du weißt, dass das, was du tun wirst, sehr wohl oder zumindest potenziell eine Diskussion oder sogar einen Konflikt auslöst, überleg dir vorher immer, was ist deine bestmögliche Alternative, um dem Ganzen aus dem Weg zu gehen, sozusagen, was ganz anderes zu machen. Und was ist, wenn du dich dafür, für die Alternative des potenziellen oder sicherlichen Konflikts entscheidest, dann innerhalb dieser Alternative das Schlimmste, was passieren kann. Und dann hast du eine ziemlich gute Möglichkeit, um darüber nachzudenken. Und häufig auch über den Tellerrand hinaus zu denken, denn die bestmögliche Alternative zu einem Konflikt ist ja häufig mal was ganz anderes.

Das war meine Inspiration aus dem Buch „Possible" von William Ury. Oder Ury ist ein Schweizer, der aber schon sehr, sehr lange in den USA lebt. Falls ihr das was sagt, der hat mit einem Harvard-Projekt zu tun. Falls es dir nichts sagt, ist auch nicht schlimm. Ich kann es auf jeden Fall sehr empfehlen, das Buch. Wie gesagt, auch nicht nur für Leute, die fachlich und beruflich mit Mediation oder Verhandlung zu tun haben, sondern wirklich für jeden. Es ist ein ganz tolles Buch. Unglaublich inspirierend, unglaublich faszinierend. Es ist natürlich in den Shownotes auch drin. Da kannst du es dir genau nachlesen.

Und dann kommt jetzt meine Frage an dich: Wann hast du schon mal bewusst eine beste Alternative zu einem Konflikt oder einem potenziellen Konflikt bedacht und hat dir das geholfen und wenn ja, wie? Was hat das in dir mit dir gemacht, dass du plötzlich eine Alternative hattest, dass du eine Wahl hattest, ob du diesen Konflikt oder diesen potenziellen Konflikt angehen möchtest?

Ja, damit verabschiede ich mich heute von dir, wünsche dir einen wunderschönen Abend noch, laufe jetzt ganz vorsichtig hier durch den dunklen Wald zurück und ich freue mich, dich morgen wieder mit dabei zu haben. Mach's gut!

Literatur:

Ury, W. (2024). Possible: How we survive (and thrive) in an age of conflict. HarperCollins.

Disclaimer:

Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht.

Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge.

Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken.

Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

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