Sicherheit. Kann ich in Veränderung Sicherheit finden?

Shownotes

Hallo und herzlich willkommen bei Walk & Talk mit Ida. Ich freue mich, dass du wieder dabei bist, dass wir wieder zusammen hier im Westerwald spazieren gehen. Heute ist schon wieder Donnerstag und donnerstags geht es ja bei uns um Lebensweisheiten - sozusagen - mit denen ich hoffe, dich inspirieren zu können. Heute kommt tatsächlich mal eine etwas philosophischere Lebensweisheit und dieses von mir übertragene Zitat - es ist kein echtes Zitat - stammt von Thích Nhất Hạnh aus seinem Buch "Nirvana", das ich übrigens sehr empfehlen kann. Das ist unglaublich im positiven Sinne konfrontierend. Das ist eines der Bücher, wo ich unglaublich lange gebraucht habe, um es durchzulesen - beziehungsweise erst mal durchzuhören, dann zu lesen - und wo ich immer wieder zur Seite gelegt habe und drüber nachgedacht habe und versucht habe zu verstehen, und mir es schwer getan habe. Aber es hat mir so krass gut getan. Ja, es ist eine Sicht auf die Welt, die mir hilft, mit ihr umzugehen. Und deshalb dachte ich mir, bei den Lebensweisheiten bringe ich euch jetzt mal eine mit, die - ich hoffe - dir auch hilft. Es ist eine der, wie ich finde, einfachsten Perspektiven aus dem Buch - die trotzdem unglaublich konfrontierend sein kann. Es geht - in meiner Zusammenfassung dieser Textstelle - wie folgt: "Wahre Sicherheit liegt nicht darin, dass sich nichts verändert. Wahre Sicherheit liegt darin, dass du weißt, wer du bist und wofür du stehst - egal was sich verändert." Das hat etwas auf der einen Seite mit Purpose zu tun. Das hörst du ja ganz klar. Wer bin ich eigentlich? Wofür stehe ich morgens auf? Ich habe ja selber einen sehr großen Respekt vor dem Thema Purpose. Ich selber habe einen sehr starken Purpose und ich habe sehr viel darüber gelesen - immer wieder, in verschiedenen Kontexten. Und glaube tatsächlich, dass das, was Thích Nhất Hạnh hier an einer relativ kleinen Stelle erwähnt - dass es wichtig ist zu wissen, wo man denn hin will - dass das sehr essenziell sein kann und auch ein sehr schöner Einstieg in dieses Thema. Der vordere Teil - rund um Sicherheit und Veränderung - das ist der zweite Teil dieses Zitats, der in dem Buch sehr viel beschrieben wird, vor allem aus der Perspektive, dass es keine statische Sicherheit gibt. Jede Form von Festhalten sorgt für Leid. Denn alles, was es gibt, ist Veränderung. Alles. Egal was wir denken zu tun. Immer. Es gibt keine Situation, es gibt keinen Ort, es gibt keine Möglichkeit. Die Veränderung ist die Grundlage dessen, was überhaupt ist. Wobei schon das Wort "etwas ist" eigentlich surreal dadurch gemacht wird, denn nichts IST, alles ist immer in Veränderung. Wir haben nur kein wirkliches Wort, keine wirkliche Sprache dafür. Ich weiß nicht, ob das nur im Deutschen jetzt so ist, im Englischen ist es glaube ich ähnlich. Dass alles immer Veränderung bedeutet, das ist in der Sprache schwer auszudrücken, finde ich - zumindest in der Dimension, die meiner Meinung nach hier gemeint ist. Es gibt nichts Festes. Alles ist immer im Fluss. Wenn dein Körper sich konstant verändert, wenn es nichts gibt, was fest ist, so bin ich in Veränderung. Das heißt, ich bewege mich, ich verändere mich. Und innerhalb dieser Veränderung - und da kommt jetzt die Sache, die ich finde, für mich sehr wohltuend war - ist, dass wenn ich in dieser Veränderung doch weiß, wo ich hin will, im positiven Sinne diese Veränderung mit beeinflussen kann. Das heißt: Ich bin kein Blatt im Wind, was sich einfach auf dem Wasser treiben lässt und keine Chance hat. Ich bin aber auch niemand, der gegen den Strom versucht zu laufen. Denn das wäre ja das klassische Festhalten an - was laut Thích Nhất Hạnh Leid erschaffen kann. Oder Leid erschafft, wenn ich versuche, dass alles immer gleich bleibe. Ihr kennt ja meine Meinung über das Thema Pedantismus und Festhalten an "es muss immer so, es war schon immer so". Und ja, das wäre ja jetzt genau dieses Festhalten - oder eine der Möglichkeiten von Festhalten, die mir jetzt direkt einfällt. Wenn ich sage: "Es war immer so, wir müssen das jetzt weiter so machen", dann versuche ich festzuhalten. Und wenn es doch nur Veränderungen gibt und Festhalten Leid bringt, dann ist der einzige Weg, den ich machen kann: ein bisschen beisteuern. Beisteuern innerhalb der Veränderung. Und beisteuern kann ich nur, wenn ich weiß, wohin ich steuere. Und wie gesagt, auch mein Purpose, auch mein Ziel ist beweglich. Und doch habe ich die Möglichkeit, ein bisschen in die Richtung zu steuern. Und das macht es für mich sehr schön. Deshalb habe ich es auf diese Weise zusammengefasst. Denn Sicherheit war lange ein wichtiges Thema für mich. Ich dachte immer, es gibt irgendwo einen Ort, der komplett sicher ist. An dem ich hundertprozentige Sicherheit habe, wo alles in Ordnung ist. Und ich habe ganz schön Hard Rock Bottom getroffen, als mir klar wurde nach der Lektüre von Thích Nhất Hạnh's "Nirvana": Es kann so etwas wie absolute Sicherheit nicht geben, wenn es nur Veränderung gibt. Wenn alles in Veränderung ist, dann kann es nirgends 100% sicher sein. Und weil Sicherheit als Konzept von Stabilität dann so nicht existiert. Und darin hat mir das Halt gegeben - und deshalb wollte ich dir das mitgeben, diese Idee: Wahre Sicherheit liegt nicht darin, dass sich nichts verändert. Wahre Sicherheit liegt darin, dass du weißt, wer du bist und wofür du stehst - egal was sich um dich herum verändert. Denn damit kannst du dich der Veränderung anpassen, ohne - ja - deinen Weg komplett zu verlieren. Ach ja, in der Sprache ist das schwierig, denn das Festhalten am Weg wäre ja auch schon wieder ein Festhalten und das Festhalten am Purpose und am Selbst wäre auch schon wieder ein Festhalten. Aber ein bisschen steuern innerhalb dessen, was man tut - das kann helfen. Und wer weiß, vielleicht mache ich in zwei Jahren einen Podcast, wo ich es noch besser verstanden habe und dir sage: "Das, was ich da heute erzählt habe über die Purpose und die Sicherheit und die Veränderung - das war noch gar nicht das Ende des Liedes." Denn das ist es wahrscheinlich auch nicht. Und doch hoffe ich, dass es dich ein kleines Stück weiterbringt - vielleicht - und ich dich hiermit inspirieren durfte mit dieser Lebensweisheit, abgeleitet von dem Buch "Nirvana" von Thích Nhất Hạnh. Ich wünsche dir noch einen schönen weiteren Spaziergang.

📚 LITERATURVERZEICHNIS Thích Nhất Hạnh. (2008). Nirvana: Der Buddha in uns. Theseus Verlag.

⚠️ DISCLAIMER Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht. Alle hier formulierten Aussagen sind philosophisch recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge. Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der philosophischen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken. Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

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