Aggression. Gibt es auch positive Aggression?

Shownotes

Hallo und herzlich willkommen zu dieser Freitagsfolge von Walk & Talk mit Ida. Schön, dass du wieder dabei bist. Wir gehen heute spazieren und unterhalten uns über das Thema Aggression.

Dienstag habe ich ja schon damit angefangen, eigentlich ganz spontan, weil ich selber so unglaublich aggressiv war und gemerkt habe, dass die Hilflosigkeit, die ich erfahren habe, und die Menge an Kaffee, die ich getrunken habe, und vielleicht auch so ein bisschen mein eigener Charakter dazu geführt hat, dass ich unglaublich – ja, aggressiv war, aggressiv reagiert habe. Und obwohl eigentlich für dieses Wochenende das Thema Angst geplant war, habe ich mich entschieden, auf das Thema doch noch weiter einzugehen.

Und daran, dass die Folgen jetzt alle erst am Sonntag live geschaltet werden, merkst du, wie lange ich mir und wie schwer ich mir getan habe mit diesem Thema. Ich wollte es wirklich gut recherchieren, um dir eine Perspektive auf das Thema Aggression zu geben, die nicht nur negativ ist. Denn als ich mich damit beschäftigt habe, auch mit meiner eigenen Aggression, habe ich gemerkt, dass die rein negative Perspektive für mich so nicht passt, und habe mich da sehr, sehr viel mit beschäftigt. Du bekommst also heute eine Perspektive auf das Thema Aggression, die sowohl positive als auch negative Aspekte hat. Wir werden uns morgen damit beschäftigen, was die psychologische und neurophysiologische Forschung herausgefunden hat, warum negative Aggression – jetzt kommt der Begriff schon – negative Aggression, wir werden gleich den Unterschied hören, warum negative Aggression entsteht. Wir werden uns Sonntag philosophisch damit beschäftigen. Also, es gab ja auch viele Philosophen – das Thema Aggression ist ja ein unglaublich wichtiges für uns Menschen – die sich, also gerade in der neueren Zeit, damit beschäftigt haben. Und am Montag bekommst du eine Übung von mir, die dir helfen wird, dass Aggression gar nicht so aufkommt, also der negative Teil von Aggression. Und da sind wir schon beim Wort: positive, negative Aggression. Was könnte das denn sein? Es ist eine relativ einfache Sache. Aggressio kommt ursprünglich aus dem Lateinischen und hat ad credi als Ursprung. Das heißt so was wie "darauf hingehen" oder "angehen" oder "heranschreiten". Und erst im 17. Jahrhundert wurde das Ganze als ein unprovozierter Angriff gewertet. Da hat es also so eine negative Konnotation vor allem bekommen. Und damit sind wir schon bei zwei verschiedenen Seiten, nämlich einmal die Tatkraft – meiner Meinung nach die konstruktive Aggression. Ich bin da übrigens nicht der Einzige. Sonntag wirst du merken, dass es da ganz viele Philosophen und auch Psychologen gibt, die diese Meinung vertreten haben, und ich sie sozusagen nur übernommen habe. Aber sie ist für mich so schlüssig, sie ist für mich so logisch. Denn wir brauchen ja irgendwas, um morgens aufzustehen. Und ich will ganz bewusst nicht über Purpose jetzt sprechen, sondern wirklich über den Akt des Aufstehens, des Wachwerdens. Unser System muss ja erstmal wieder in ein Arousal kommen, in einen Zustand, dass wir was tun können, dass wir aufstehen können, dass wir unsere Tasse Tee trinken können, dass wir zur Arbeit gehen können. Und gerade in unserer modernen Gesellschaft wird Tatkraft ja auch unglaublich gehypt. Also auf der Arbeit soll man tatkräftig sein, soll man Leistung bringen, möglichst schnell und auch noch unter Druck. Man soll im Meeting seine Projekte durchbringen, man soll insgesamt dafür sorgen, dass alles läuft und alles vorankommt. Und wenn ich mir anhöre, was so in der Politik immer wieder geredet wird, egal von welcher Seite, es geht immer darum, dass die Menschen tatkräftig sein müssen, genug arbeiten müssen, dass da was passieren muss, was bewegt werden muss. Also eigentlich ja was sehr Positives, diese Aggressio. Denn ich muss ja was tun, ich muss an was heranschreiten, ich muss was unternehmen. Unternehmer – das Wort ist ja da schon drin. Und ich merke das jetzt auch gerade, wenn ich meine eigene Praxis aufbaue, da braucht man schon eine ganze Menge Tatkraft. Im Allgemeinen muss ich sagen, bin ich sowieso jemand, der eher zu viel als zu wenig Tatkraft hat – deshalb gehe ich ja auch so unglaublich gern spazieren, das beruhigt mich. Ich hoffe, dich auch. Aber Aggressio hat, wie wir gerade auch gehört haben, auch eine negative Seite. Das Gewalttätige, die Gewalt, das Grenzenüberschreiten, des vielleicht sogar nicht nur verbalen, sondern körperlichen Angriffs. Und das ist auf jeden Fall die negative Seite der Aggression. Und die haben wir Menschen, und das sollten wir wirklich nicht leugnen. Morgen erzähle ich dir sehr viel darüber, wie das überhaupt zustande kommt, warum diese positive Tatkraft in diese negative Aggression, die ja überhaupt nicht mehr konstruktiv ist, umschlägt. Für heute will ich erst mal festhalten, dass es diese zwei Seiten gibt. Und du wirst ja auch noch sehen, dass diese Zweiseitigkeit und der Umgang damit zu viel Scham und Schuld führt in unseren kindlichen Seelen und zu viel Verhalten, das wir an den Tag legen, das am Ende davon kommt, dass uns gesagt wird: "Sei nicht so aggressiv" – ob das jetzt als tatkräftig oder als gewalttätig gesehen wird. Das heißt, wir haben diese Doppelmoral, diesen im Grunde Widerspruch zwischen der positiven Tatkraft und der negativen Gewalt, die beides irgendwo eine Form der Aggression sind. Und in unserer modernen Gesellschaft merkt man aber auch ganz stark, dass Menschen negativ bewertet werden, sobald es in die negative Seite, in die Gewalt umschwenkt. Und das ist gut. Da kann keiner was dagegen sagen. Du wirst bei der altsteinzeitlichen Perspektive sehen, dass auch damals schon die Gewalt eingeschränkt wurde. Denn die Gewalt als negative Aggression ist etwas Zerstörerisches. Aber es gibt noch eine andere Perspektive, nämlich – und das ist spezifisch die Perspektive der Frauen. Als Mann ist das vielleicht etwas merkwürdig, was ich dir jetzt erzähle. Viele Frauen werden sich darin zurückfinden können. Und zwar: Wir Frauen werden ja – und wurden zumindest in meiner Generation, in den 80ern – immer noch gerne als "sei hübsch, sei brav, mach gut mit, kümmere dich um die anderen" erzogen. Hauptsache, man fällt nicht zu sehr auf, man ist gut in der Schule, aber nicht – es ist extrem, dass man aus der Reihe tanzt. Man ist hübsch und brav und hilft immer schön den anderen. Ich hatte das Glück, dass es bei mir nicht so stark ausgeprägt war. Also meine Eltern waren da relativ easy. Aber ich weiß, dass viele, viele, viele Frauen sich damit schwer tun. Und dann kommt diese Diskrepanz in unserer Gesellschaft. Auf der einen Seite, auch als Frau sollst du tatkräftig sein, du sollst was unternehmen. Unternehmerinnen werden gefeiert. Und auf der anderen Seite haben viele Frauen eben diese Gedanken im Kopf, die ihnen dann wieder sagen: Wenn du zu stark auftrittst, wenn du zu tatkräftig bist, wenn du zu viel umsetzt, dann bist du ja eigentlich kein braves Mädchen mehr. Dann bist du ja eigentlich keine gute Frau mehr, weil du aus der Reihe tanzt, weil du nicht lieb und brav bist und hübsch bist und dich um alle anderen kümmerst. Dann kümmerst du dich ja vielleicht plötzlich um dich, um deinen Job, um dein Einkommen, um dein Geld, um deine Verwirklichung. Und auch, wie gesagt, wenn es für Männer etwas merkwürdig klingt, für viele Frauen ist das ein großer Widerspruch. Auf der einen Seite: Du sollst was leisten, du sollst machen, Tatkraft zeigen. Und auf der anderen Seite: Tatkraft ist so gar nicht was für Mädchen. Ich freue mich, dass es heute schon etwas anders ist, und wir werden in unserer Perspektive auf die Psychotherapie aus dem System der inneren Familie da nochmal ein bisschen mehr draufschauen. Als Erstes möchte ich aber in die Altsteinzeit gehen. Du weißt ja, ich liebe die Altsteinzeit. Und irgendwo muss das ja herkommen. Irgendwo muss dieser Widerspruch herkommen. Muss es überhaupt herkommen, dass wir so viel Tatkraft haben? Ich würde mal sagen, der allgemeine Grasfutterer unter den Tieren hat zwar die Tatkraft, morgens aufzustehen, damit er sein Gras futtert, aber im Allgemeinen ist er weder angriffslustig noch würde er ein anderes Tier umbringen und so weiter und so fort. Aggression sehen wir im Tierreich vor allem – nicht nur, aber vor allem – bei jagenden Spezies, also bei Fleischfressenden, und insbesondere bei denen, die die Tiere auch selbst erlegen. Denn zum Töten gehört doch eine gewisse Aggression dazu. Das passiert nicht mal eben so aus Versehen, dass ich mit einer Speerschleuder auf ein Rentier schieße und das Rentier danach tot umfällt und ich es essen kann. Wir Menschen haben uns ja vom Pflanzenfresser, vom Früchte- und Samenblätterfresser hinentwickelt über die Jahrmillionen zu einem durchaus jagenden Individuum. Schimpansen sind ja noch ein ganzes Stück in gewisser Weise aggressiver, können aggressiver sein als wir Menschen. Ich will da nicht genauer drauf eingehen, ich werde da nochmal eine eigene Folge zu machen. Da geht es vor allem darum, warum und wie der Mensch sich selbst domestiziert hat. Wahrscheinlich. Mal schauen, was die Forschung dazu sagt. Aber ganz grob gibt es Anzeichen dazu, dass Schimpansen durchaus aggressiv sein können. Und wir Menschen haben auch Aggression in uns. Denn wir sind immerhin, wie gesagt, irgendwann im Laufe der Millionen Jahre vom reinen Früchte- und Blätter- und so weiter Fresser hingegangen, die Tiere zu essen, die da waren, wenn sie schon tot waren, und später auch dazu, sie zu jagen. Und auch das tun wir schon ziemlich lange. Also Belege, dass wir jagen, gibt es schon über viele Hunderttausende von Jahren. Und damit kann man sagen, dass das Jagen beim Menschen doch schon ziemlich tief verwurzelt ist. Zum Jagen gehört aber Aggression. Ich flöte ja nicht und singe und freue mich, dass das Tier da vor mir vielleicht umfällt. Nein, wie gesagt, ich muss eine Speerschleuder nehmen, und ich muss nah genug an das Tier rangehen – oder ein Speer, damit muss ich sogar noch näher dran als mit einer Speerschleuder – und ich muss das Tier erlegen. Im Gegenteil zu Neandertalern haben wir uns selten mit so was wie Mammuts angelegt. Also wir Menschen, wir Homo sapiens, haben eher Grasfresser erlegt. Aber nichtsdestotrotz: Wir haben sie erlegt. Wir brauchten Aggression, um diese Aufgabe zu erfüllen. Das heißt, die Tatkraft, aber auch Tatkraft im Sinne von "töten können", ist irgendwo im Menschen verankert. Sonst hätten wir nicht als diese Art von Menschen überleben können. Zumindest nicht die Altsteinzeit in der Eiszeit hier in Mitteleuropa die letzten 40.000 Jahre. Denn da gab es im Winter nicht so viele Pflanzen, dass wir uns davon komplett hätten ernähren können. Ja, was bedeutet das jetzt? Das bedeutet, dass die Aggression in uns drin ist, dass wir aber auch einen Weg finden mussten, um damit umzugehen. Denn es ist ja – bis die letzten 10.000 Jahre kamen – bei uns in den Gruppen relativ egalitär, relativ gleichberechtigt zugegangen, geht man davon aus. Es gibt keine Belege, die das jetzt widerlegen, und in den heutigen noch übrigen Jäger-Sammler-Gruppen ist das auch immer noch in den meisten so. Bedeutet, dass wir irgendeinen Weg gefunden haben, um Gleichberechtigung zu schaffen, obwohl es da Individuen gab, die deutlich stärker, deutlich vielleicht auch aggressiver waren, die das Jagen und Töten gewohnt waren, während andere das weniger getan haben, vielleicht weniger aggressiv waren. Und genau wie beim Neid – das habe ich dir ja letzte Woche auch schon erzählt – gibt es da in der Menschheitsgeschichte wahrscheinlich einen, man könnte fast schon sagen, durchaus aggressiven Akt. Man könnte sagen: die Aggression der Gruppe, die Tatkraft der Gruppe, um sich selbst zu schützen. Bei den Angebern, Thema Neid, hat man ja auch angefangen, sie auszulachen, sie lächerlich zu machen, so lange, bis sie es gelassen haben. Oder man hat sie im Notfall, im allerschlimmsten Falle ausgeschlossen. Und damit war ihr Überleben zumindest nicht mehr gesichert. Das heißt, die Gruppe war selber ein aggressiver Faktor in der Selbsterhaltung, damit Leute, die – einzelne Leute, die aggressiv sind, einzelne Leute, die überheblich sind – nicht die Dynamik der Gruppe zerstören. Denn die Menschen überleben vor allem dann, wenn sie sich gegenseitig helfen. Das ist eben das System der Menschen, die Art und Weise, wie wir über Hunderttausende überlebt haben: in Gruppen. Vor allem dann, wenn eben die Dynamik der Gleichberechtigung und des Teilens in den Gruppen erhalten bleibt. Ja, das heißt, wir haben schon immer die negative Seite der Aggression unterdrückt und die positive Seite der Aggression gefördert. Ist nicht so viel anders als heute. Ich kann auch nicht sagen, ob das mit weniger Scham und Schuld vorgegangen ist. Ich hoffe es. Ich hoffe, dass wir weniger Scham- und Schuld-Themen in der Altsteinzeit rund um das Thema Aggression provoziert haben als heute. Wissen tut man es natürlich nicht. Damit würde ich gerne dazu übergehen, wie man zumindest aus der Sicht des Systems der inneren Familie auf die Aggression schaut, vor allem auch auf die negative Seite der Aggression, und warum das entsteht, und warum es auch zu destruktivem Verhalten führt, und warum es auch zu Aggressionen gegen sich selber führen kann. Im Grunde fängt die Geschichte immer damit an, dass ein Kind natürlich Tatkraft hat. Ein Kind ist aktiv, und das ist schön, und das ist gut so. Diese positive Tatkraft wird von den Eltern oder anderen Leuten, mit denen sie zu tun hat, aber nicht immer als positiv gesehen. Vielleicht ist das Kind zu laut, vielleicht ist das Kind zu wild. Man muss dazu auch sagen, dass in der Altsteinzeit die Kinder viel draußen gespielt haben. Natürlich, wir haben draußen gelebt. Das heißt, die Kinder konnten sehr wild und sehr laut sein. Es war normal, und es war gut, und es war richtig, und es war okay, dass Kinder wild und laut sind. In unserer heutigen modernen Gesellschaft ist das aber häufig leider nicht mehr okay und nicht mehr gewollt. Die Kinder sollen ja brav sein. Teilweise übrigens auch die Jungs, also bei denen ist das Thema etwas weniger als bei den Mädchen. Wenn so ein Kind, das jetzt tatkräftig, engagiert, mutig seine Welt erkundet – vielleicht auch schon ganz klein – von den Eltern gesagt bekommt, dass es das lassen soll, und es also negatives Feedback bekommt, vielleicht sogar Bestrafung, dann wird es sich selbst, sein Verhalten infrage stellen und wird es im Endeffekt versuchen zu unterdrücken. Jetzt ist es aber schwer, so etwas Grundlegendes im Menschen wie Tatkraft zu unterdrücken. Und das kann zu verschiedenen Dingen führen. Das kann dazu führen, dass wir einen Manager entwickeln, der dafür sorgt, dass wir einfach fast gar nichts mehr tun. Der immer ganz vorsichtig ist, sich umschaut erst mal und denkt: "Kann ich das jetzt machen? Kann ich das jetzt machen oder nicht?" Der uns ganz vorsichtig, ganz eingeschränkt eigentlich werden lässt in unserer eigenen Tatkraft, wo gar nicht viel kommt, wo wir ja in einen sehr, sehr gedrosselten Zustand kommen. Aber der versucht uns zu beschützen, denn schließlich war unsere Tatkraft ja schlecht anscheinend. Man hat uns gesagt, dass die verkehrt ist. Die andere Möglichkeit ist, dass man umso wilder wird, umso wütender wird, dass sich also eine Wut aufbaut, ein Frust, eine Wut aus dieser Tatkraft, die ja anscheinend schlecht ist. Und die Leute, notfalls wenn sie das Gefühl haben, dass sie kritisiert werden, in eine echte negative Aggression dann kommen, wenn die Tatkraft nicht sein darf. Es gibt auch Fälle, wo die Tatkraft umgeleitet wird im Sinne von Destruktivität, im Sinne von passiv-destruktiv gegenüber anderen. Ja, das ist auch eine negative Form der Aggression. Oder sogar in Passiv-Destruktivität, negative Destruktivität gegenüber mir selber. Also statt dass ich meine positive Tatkraft, Handlungsfähigkeit auslebe, weil mir ja gezeigt wurde als Kind, dass ich das nicht soll, dass ich das nicht darf, dass etwas Schlechtes, etwas Böses ist, wenn ich laut bin, wild bin, tatkräftig bin, Ideen habe, umsetze, das ganze Haus vielleicht bunt male, dann bestrafe ich mich dafür selber. Es gibt Manager, die sich in uns, in manchen von uns, die sich selbst bestrafen dafür. Also irgendwo wird diese Tatkraft entweder extrem gedrosselt oder eine ganze Zeit unterdrückt, um dann rauszuexplodieren. Oder sie wird destruktiv gegenüber anderen, aber nicht aktiv tatkräftig, sondern eher so im unteren Level: "Wo kann ich was kaputtmachen, was jetzt vielleicht nicht auf mich zurückfällt?" – also ein destruktives Verhalten. Oder eben nicht gegen andere die Destruktivität, sondern gegen sich selbst. Es gibt auch Möglichkeiten – das gilt aber für alle möglichen Empfindungen, nicht unbedingt nur bei der Tatkraft – wo es um Schmerzen geht, die man sich zufügt, und so weiter. Es gibt ganz, ganz, ganz, ganz viele Muster. Das sind nur ein paar Ideen, an denen du siehst, dass die positive Tatkraft, das Gute, das Schöne, was Kinder haben, diese Lebendigkeit, dieses Machen-Wollen, diese vielleicht auch ein bisschen Wilde, durch die Art und Weise, wie die Gesellschaft auf sie reagiert, so unterdrückt wird, dass ganz, ganz viele negative Muster entstehen. Und wir uns nicht wundern brauchen, wenn die Kinder nicht mehr wild durch den Wald rennen können in unserer Gesellschaft, weil es halt einfach teilweise nicht möglich ist. Ja, dass sich ganz, ganz viele negative Muster entwickeln. Und damit hoffe ich, dass ich dir nicht nur die negative, sondern auch die positive Seite der Aggression zeigen konnte, dir zeigen konnte, dass das tief im Menschen verwurzelt ist, und was mit uns alles passiert, wenn wir sie nicht ausleben dürfen. Jetzt hoffe ich, dass es dich inspiriert hat, und frage dich als Frage des Tages: Woran merkst du, ob du gerade positive Tatkraft oder irgendeine dieser negativen Formen der Aggression hast? Das muss noch nicht mal das Ausleben von Aggression sein, von negativer Aggression. Das kann auch diese anderen Faktoren sein. Also: Woran merkst du, dass da in dir Tatkraft ist, die sich nicht entfalten darf? Denn das ist ja immer der aller-, aller-, aller-, allererste Schritt – zu merken: Da ist eigentlich diese positive Kraft in mir. Wir werden ja im Laufe der Zeit noch ganz viele andere positive Kräfte kennenlernen. Aber die Tatkraft ist auf jeden Fall eine davon. Und das Gefühl: Ich darf das jetzt nicht ausleben. Ja, damit wünsche ich dir noch einen wunderschönen Spaziergang. Mach's gut!

Literaturverzeichnis Etymologie und Begriffsgeschichte: Etymology Online. (n.d.). Aggression. Retrieved February 15, 2026, from https://www.etymonline.com/word/aggression Evolutionäre und altsteinzeitliche Perspektiven: Boehm, C. (1993). Egalitarian behavior and reverse dominance hierarchy. Current Anthropology, 34(3), 227-254. https://gwern.net/doc/sociology/intrasexual-aggression/1993-boehm.pdf Lombard, M., & Högberg, A. (2023). The evolution of Paleolithic hunting weapons: A response to declining prey size. Quaternary, 6(3), 46. https://doi.org/10.3390/quat6030046 Standen, V., Santoro, C. M., Arriaza, B., Coleman, D., & Pizarro, C. (2023). Long-term history of violence in hunter-gatherer societies uncovered in the Atacama Desert. PLOS ONE, 18(9), e0287862. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0287862 Torres-Rouff, C., Posa, A., & Molina, M. (2021). Resource scarcity drives lethal aggression among prehistoric hunter-gatherers in central California. Proceedings of the National Academy of Sciences, 118(41), e2024352118. https://doi.org/10.1073/pnas.2024352118 Internal Family Systems (IFS) und Psychotherapie: Schwartz, R. C. (1995). Internal family systems therapy. Guilford Press. Schwartz, R. C., & Sweezy, M. (2020). Internal family systems therapy (2nd ed.). Guilford Press. Aggression in der psychoanalytischen und psychodynamischen Theorie: Perls, F., Hefferline, R., & Goodman, P. (1951). Gestalt therapy: Excitement and growth in the human personality. Julian Press. Taubner, S., & Fonagy, P. (2015). Psychoanalytic concepts of violence and aggression. In P. Fonagy & A. Bateman (Eds.), Handbook of mentalizing in mental health practice (pp. 211-232). American Psychiatric Publishing. Moderne Aggressionsforschung: Cambridge University Press. (n.d.). An introduction to the dynamics of anger, aggression, and violence. In Cambridge guide to psychodynamic psychotherapy. https://www.cambridge.org/core/books/cambridge-guide-to-psychodynamic-psychotherapy/an-introduction-to-the-dynamics-of-anger-aggression-and-violence/ABF9FABCEC22742EDB9808A6DF582007 Ergänzende anthropologische Quellen: Gray, P. (2019). The play theory of hunter-gatherer egalitarianism. Psychology Today. Retrieved February 15, 2026, from https://www.psychologytoday.com/us/blog/freedom-learn/201908/the-play-theory-hunter-gatherer-egalitarianism Henderson, R. (n.d.). Reverse dominance hierarchies. Rob Henderson's Newsletter. Retrieved February 15, 2026, from https://www.robkhenderson.com/p/reverse-dominance-hierarchies

Disclaimer Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht. Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Literaturverzeichnis dieser Folge. Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken. Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

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